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The James Bond 007 Dossier

Bond, James Bond.

6. August 2015 11:06
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Christoph Waltz - Herr Hollywood

6. August 2015 11:06 by m | 0 Comments

The May edition of the German GQ Magazine also included an interview with Bond Villain Christophe Waltz, but this one is completely different, not just a German translation of the British article. This one is titled, "The Craftsman".

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Der Handwerker

Für Christoph Waltz ist die Schauspielerei ein reiner Broterwerb. Und wahrscheinlich hält er deshalb nicht sehr viel von der übertriebenen Selbstdarstellerei einiger seiner Berufskollegen

Der Handwerker

CHRISTOPH WALTZ GILT ALS EINER DER GROSSEN HOLLYWOODS. ER SELBST SIEHT SICH EHER ALS ARBEITER. UND ERKLÄRT, WARUM DIE SELBSTINSZENIERUNG DER STARS SO GEFÄHRLICH SEIN KANN
TEXT: DAVID BAUM FOTOS: NIGEL PARRY

Weltmann: Fotografiert haben wir den Österreicher in Los Angeles. Zum Interview trafen wir ihn später in Berlin

Christoph Waltz: Sie sind für unser Gespräch eigens mit dem Zug aus Österreich angereist? GQ: Wegen meines üblen Flieger-Karmas. Flugzeuge, die ich besteige, neigen leider zu Notlandungen.

Ich kenne das, bei mir ist einmal ein Triebwerk ausgefallen - was keine große Sache ist, aber man muss notlanden, die Feuerwehr wird gerufen...Es sieht sehr dramatisch aus - vor allem, wenn sich die Maschine durch ein leuchtendes Gewitter nach unten schraubt -, ist es aber meist nicht. Ich erzähle das nur, um Ihre Statistik zu entschärfen. Das Schönste am Beruf eines Journalisten ist es, interessante Persönlichkeiten wie Sie treffen und befragen zu dürfen. Ist es wahr, dass Sie das auch machen? Dass Sie Persönlichkeiten einfach kontaktieren und sich zu einem Gespräch verabreden?

Es gibt einen großen Unterschied zu dem, was Sie machen, denn Interviewgespräche haben das Ziel der Veröffentlichung. Das verzerrt eine Begegnung. Sie überlegen Ihre Fragen in Hinsicht auf Veröffentlichung, ich meine Antworten unter den gleichen Gesichtspunkten. Deshalb ist es eigentlich kein ehrliches Gespräch - außer vielleicht bei David Sylvester und Francis Bacon, die für ihr Interviewbuch mehr als zwei Jahre immer wieder miteinander gesprochen haben.

Sie haben inzwischen viele Persönlichkeiten zu solchen Gesprächen getroffen. Waren Sie schon mal von jemandem enttäuscht, weil die Realität von der Vorstellung, die Sie von der Person hatten, abwich?

Bislang ist mir das nicht passiert, dass ich von einem großen Unterschied überrascht gewesen wäre. Natürlich verweht der Nimbus etwas, wenn die Menschen einem gegenübersitzen. Das empfand ich aber eher als wohltuend. Mein Bild von diesen Menschen entstand durch das, was sie produziert haben. Gab es eine Schauspielerpersönlichkeit, die Sie in Ihrer Jugend getroffen haben und der sie nacheifern wollten? Sie kannten immerhin den österreichischen Weltstar und Großdramatiker Oskar Werner.

Ich war nur bei einem Rezitationsabend. Kennengelernt habe ich ihn nie. Ich war schon als Kind immun dagegen, jemandem nachzueifern. Und ich bin es nach wie vor. Ich habe meinen Beruf immer ganz anders gesehen, für mich ist es ein reines Handwerk, wie das eines IT-Technikers, oder mehr noch: eines Tischlers. Es ist schließlich ein Lowtech-Handwerk.

Sie haben die Schauspielerei als Brotberuf ergriffen?

Natürlich, wohl oder übel ist sie das auch. Wenn ich nicht meinen Unterhalt damit verdienen könnte, müsste ich etwas anderes machen. Ich hab das ganz gern so, dass es um das Essenzielle geht, nicht um das Dekorative. Das erleichtert einem auch die Ausübung und das Überleben in so einem Umfeld, das sich in zunehmendem Maß der Öffentlichkeitswirksamkeit und manchmal auch Öffentlichkeitsgeilheit hingibt.

Gerade als Österreicher stünden Sie dabei in der Tradition großer Schauspieler-Darsteller.

Das ist ganz genau der Punkt. Das ist absolut lächerlich und so durchschaubar. Manchmal natürlich auch lustig - meistens aber lächerlich. Es ist zur Ausübung des Berufs nicht nötig. Aber jeder, wie er kann.

Und dennoch stellt man Sie mit diesen großen Selbstinszenie-rern wie Peter Lorre, Oskar Werner, Helmut Berger, Klaus Maria Brandauer in eine Reihe. Empfinden Sie solche Projektionen nicht seltsam?

Nein, weil ich sie kaum mitbekomme. Es geht nicht völlig spurlos an mir vorüber, es bringt mich eher in Verlegenheit. Die größte Gefahr an dem Ganzen ist die Veräußerlichung des Privaten. Viele Menschen glauben, sie werden ihren berühmten Idolen ähnlicher, wenn sie das auch tun, wenn sie eine Art Öffentlichkeit erzeugen. Das Internet hat da immensen Schaden angerichtet. Leute, die nicht wissen, was innerlich und was äußerlich ist, dafür gibt es nicht umsonst psychiatrische Indikationen. Es ist insgesamt eine soziale Katastrophe. Die Social Media haben mit sozialem Austausch nichts zu tun.

Viele Ihrer Kollegen - etwa James Franco - haben Facebook als Plattform entdeckt, um sich selbst zu inszenieren, eine Kommunikation mit den Fans zu finden, abseits der klassischen Medien. Ist das wirklich so schlecht?

Mich stört es nie, wenn etwas authentisch ist. Ich bin bloß kein Fan davon. James Franco ist ein hinreißender Kerl, und wenn er das für seinen ihm gemäßen und gedeihlichen Ausdruck hält, ist das doch herrlich, zumindest schadet es niemandem.

Ihr Kollege Shia LaBeouf geht sehr kritisch mit dem Öffentlichkeitsdruck Hollywoods um und behauptet, man würde automatisch Gefahr laufen, als Star unserer Tage mit einer bipolaren Störung zu enden. Teilen Sie diese Diagnose über die Branche?

Man wird zu nix gezwungen.

Und doch stellt man sich die Frage, ob Todesfälle wie die von Heath Ledger oder Philip Seymour Hoffman Einzelschicksale sind?

Ich verfolge das nicht. Natürlich sind da Zentrifugalkräfte am Werk, die - wenn sie auf eine Schwäche in einer bestimmten Persönlichkeit treffen - Unheil anrichten. In der Branche ist das nur etwas verstärkt der Fall. Es ist wichtig, die Umrisse, um nicht zu sagen die Grenzen des Berufs zum Privaten zu erkennen. Ich habe immer behauptet, dass der Wunsch, Schauspieler zu werden, auf einem pubertären Mitteilungsdrang beruht. Wenn diese Phase - die in jeder gesunden Entwicklung überwunden wird - als Fixation bleibt, kann das Schaden anrichten. Und wenn dazukommt, dass man mehr als Ware betrachtet wird denn als Künstler, dann ist das schwierig. Man muss einem Schauspieler die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln, vor allem, sich inhaltlich zu entwickeln, sonst regrediert er zwangsläufig.

    WENN MAN SICH ENTSCHEIDEN MÜSSTE, MIT WEM MAN EINE STUNDE VERBRINGT, WÜRDE MAN MEPHISTO ANRUFEN UND NICHT FAUST
    
Man könnte Ihren Erfolg als positives Signal ansehen. Sie entziehen sich dem Druck, allzu sehr vermarktet zu werden, zudem sind es Ihre komplexeren Filme, die Erfolge werden, und weniger die kommerziell angelegten.

Das Zweite, was Sie sagen, ist in jedem Fall wahr. Aber wir sprechen dennoch von unterschiedlichen Dimensionen. Was ist schon erfolgreich? Ein Film, der 10 Millionen gekostet hat, ist erfolgreich, wenn er 20 einspielt; wenn der Film 40 Millionen gekostet hat, ist es eine Katastrophe.

Eine interessante Entwicklung der vergangenen Jahre ist, dass der sogenannte Bösewicht heute Held und Identifikationsfigur eines Films oder einer Serie sein kann. Paradebeispiele sind Walter White in „Breaking Bad“ oder Ihr legendärer Hans Landa in „Inglourious Basterds“. Empfinden Sie es als befreiend, dass das alte, fade Spiel von Gut und Böse plötzlich Schattierungen zulässt?

Es ist wirklich ein interessanter Punkt, aber auch nicht so neu. Wenn Sie zum Beispiel Faust und Mephisto vergleichen. Da ist der Bösewicht ja nicht der Teufel, der ist im Prinzip ein geistreicher, sehr unterhaltsamer Zeitgenosse. Wenn man sich entscheiden müsste, mit wem man eine Stunde verbringt, würde man doch ganz sicher Mephisto anrufen und nicht den Dr. Faust.

Haben Sie gegenüber Ihren Figuren auch eine moralische Haltung?

Die Moral ist immer interessant. Aber meine persönliche Haltung, mit der ich mich in diesem moralisch-ethischen System wiederfinde, hat damit überhaupt nichts zu tun. Deswegen sind mir Überzeugungstäter immer unheimlich gewesen. Ich muss nicht die Rolle auf mein bescheidenes Niveau herunterzerren. Und wenn es mir nicht gelingt, mich selbst auf das der Figur hinaufzubegeben, dann muss ich sie einfach für sich stehen lassen. Es ist nicht so, dass ich keine Meinung zu den Charakteren habe, aber sie ist völlig irrelevant.

In Tim Burtons „Big Eyes“ spielen Sie Walter Keane, einen charmanten Hochstapler, der die Bilder seiner Frau Margaret als die eigenen ausgibt. Es ist eine wahre Geschichte. Sie spielen den Mann so, dass er einem in seiner Brutalität regelrecht leid tut.

Das ist eine wahnsinnig schwierige Sache. Es geht mittlerweile nur noch um wahre Geschichten, jede ist wahr, überall steht: nach einer wahren Begebenheit. Ich kann es nicht mehr hören. Keine Geschichte ist wahr, denn für jede Person sieht diese angebliche Wahrheit ja anders aus. Diese Sache mit den Keanes, die letztendlich in einer Gerichtsverhandlung kulminiert, wirft doch folgende Frage auf: Wie kann ein Mensch, der sich im Gericht 1967 dermaßen verga-loppiert, noch zehn Jahre zuvor ein vernünftiger, ruhiger, verlässlicher Zeitgenosse gewesen sein. Doch nicht wirklich, oder?

Aber kennen wir nicht alle solche Leute, die sich plötzlich nicht mehr im Griff haben? Wo man zuschauen kann, wie sie völlig vom Weg abkommen?

Ja natürlich, aber das hat so eine Ballistik. Innerhalb dieser Extreme ist es ganz schwierig, jemanden noch so darzustellen, dass man ihm folgen kann.

Sind Sie bösen Menschen begegnet?

Ich bin Menschen begegnet, die ich für böse hielt, was sie nicht zu bösen Menschen macht. Bösewicht ist übrigens ein ebenso unmöglicher Begriff, wie der von der Wahrheit. Je böser ein Bösewicht daherkommt, desto weniger ist er es vermutlich, ganz nach dem Sprichwort von den bellenden Hunden, die selten beißen.

Zurzeit präsentiert der sogenannte Islamische Staat eine Aufführung des Bösen, die ihresgleichen sucht.

Ich bin mir nicht sicher, ob die IS-Anführer sich als böse begreifen. Ich würde denen - so absurd das klingt - zugutehalten, dass sie glauben, das Richtige zu tun. Die Fehleinschätzung bedingt deren Verhalten, sonst könnten sie ja nicht damit existieren. Das müssen profunde Störungen sein, die die haben. Extrem krankhaft, ich kann es mir sonst nicht erklären. Das organische Dingfestmachen des Bösen im Gehirn halte ich für Unfug. Es ist ein komplexes Zusammenwirken aus allem Möglichen.

Nun spielen Sie eine Figur, für die der Begriff Bösewicht überhaupt erst erfunden wurde: Sie sind in der kommenden 007-Verfilmung „SpectreSpectre“ der Bond-Bösewicht.

Das ist die einzige Rolle, bei der ich diesen Begriff gelten lasse. Bei einem GQ-Interview mit Daniel Craig im Jahr 2011 ...

... Sie haben ihn getroffen? Wie fanden Sie ihn? Der ist ein besonders humorvoller, charmanter und intelligenter Kerl mit einem analytisch scharfen Verstand. Ich muss ihm Abbitte leisten, weil ich ihn so gar nicht eingeschätzt hatte. Wir waren uns damals einig, dass die 007-Produzenten gut daran täten, die Tradition, einen deutschen oder österreichi-schen Volksschauspieler als Bösewicht zu besetzen, weiterführen sollten.

Natürlich ist der Bond-Bösewicht eine Herausforderung. James Bond ist für mich das Volkstheater unserer Tage. Ich meine damit nicht Bauerntheater, ich meine das Volkstheater im Stil von Moliere, Goldo-ni, Nestroy, das es versteht, Archetypen zu schaffen. Unter den Gesichtspunkten schaue ich mir diese Figur an. Und doch haben Leute wie Gerd Fröbe ihre archetypischen Charaktere im Bond sehr differenziert gespielt, mit einem großen Unterhaltungswert.

Sie gelten als Mann der großen Regisseure: Quentin Tarantino, Tim Burton, Terry Gilliam, Roman Polanski, nun Sam Mendes. Wie unterschiedlich gestaltet sich die Arbeit mit diesen verschiedenen Meistern?

Jeder für sich arbeitet ganz anders. Die Unterschiede sind immens, das ist ja der Spaß. Da kommt mir die Stadttheaterlehre, die ich durchlaufen habe, enorm entgegen. Jeder ist eine eigene Persönlichkeit. Regisseure können sich das schlecht vorstellen, weil sie sich für den Mittelpunkt von allem halten und selbst nie mit einem Regisseur zusammenarbeiten. Wir Schauspieler müssen uns ständig neu einstellen.

Kann jemand wie Sie noch etwas lernen, verbessert sich Ihr Spiel durch die Erfahrungen mit unterschiedlichen Regisseuren?

Natürlich, besonders bei so ungnädigen wie Roman Polanski, der auf minutiöseste Details besteht. Das kommt meiner leichten Zwanghaftigkeit entgegen. Für mich sind so Bausch- und Bogen-Regisseure eher schwierig, die alles okay finden und einem sagen: Spiel einfach mal, das wird großartig. Von Tarantinos Radikalität habe ich gern etwas mitgenommen. Und auch von seiner Fähigkeit, Filme sachlich zu sehen, in jedem etwas zu erkennen. Bei Filmen, die ich grob gestrickt, banal oder ungeschickt fand, sagt er: „Mag sein, aber es war der erste Film der Filmgeschichte, der dieses so oder so gemacht hat, und das war eine große Leistung.“ Er sieht Dinge, die andere nicht sehen, und das ist eine wunderbare Einstellung. •

[Source: GQ (Gentlemen's Quarterly) Deutschland, Mai 2015, P.1, 19, 37-41. © 2015 THE CONDE NAST PUBLICATIONS LTD. All rights reserved.]

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