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The James Bond 007 Dossier

Bond, James Bond.

20. October 2015 07:05
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Bond's Swansong

20. October 2015 07:05 by m | 0 Comments

The November issue of the German magazine, Widescreen, includes nearly 20 pages about the new James Bond film, SpectreSpectre, in Theaters in the UK on October 26th, and in the US on November 5th...

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BONDS ABGESANG

VON VEREISTEN LEICHEN UND UNBESUNGENEN HELDEN: 25 FRAGEN UND ANTWORTEN ZU SpectreSpectre

AUTOREN / EMANUEL BERGMANN, CHRISTIAN RAVEN & TIM SÜNDERHAUF

KINOSTART 05.11.2015 / ORIGINALTITEL SpectreSpectre / DARSTELLER DANIEL CRAIG, LÉA SEYDOUX, CHRISTOPH WALTZ, MONICA BELLUCCI, NAOMIE HARRIS, BEN WHISHAW, RALPH FIENNES, DAVE BAUTISTA, RORY KINNEAR, ANDREW SCOTT / REGIE SAM MENDES

Titelstory: James Bond - SpectreSpectre

TIM SÜNDERHAUF / „Was hat Léa Seydoux u. a. mit Claudine Auger, Carole Bouquet, Sophie Marceau und Eva Green gemeinsam? Na klar, sie mimt (als bereits siebte Französin) ein Bond-Girl – ist aber keine Unbekannte. Mit Robin Hood und Mission: Impossible 4 hat sie schon in großen internationalen Produktionen mitgewirkt, mit Leb wohl, meine Königin, Blau ist eine warme Farbe und Grand Budapest Hotel im Charakterfach brilliert. SpectreSpectre kündigt sie als einen Typus Vesper Lynd an. Mehr ab S. 14.“

Bald ist es wieder so weit: 007 zückt seine Walther PPK und die Lizenz zum Töten und steigt in seinen Aston Martin. Das WIDESCREEN-Team hat zu diesem Anlass mit Daniel Craig gesprochen und sich dann zusammengesetzt – und jeweils die wichtigsten Fragen zum neuen Film SpectreSpectre gestellt. Und die Antworten liefern wir natürlich gleich mit.

Worum geht es im neuen Bond? Was bedeutet der Titel? Wer ist neu dabei und auf welche alten Bekannten können wir uns freuen? Und welche Rolle spielt nun Christoph Waltz? Eines steht jetzt schon fest: Im 24. Bond-Abenteuer wird es persönlich, sehr persönlich – und so manche in Ian Flemings Büchern erwähnte Geschichte aus der Vergangenheit von 007 wird ans Licht kommen. Wir griffen anlässlich der vielen offenen Fragen zum neuen Agenten-Actioner zu einer ganz eigenen Lösung: einer Unterhaltung quasi mit uns selbst. Und decken dabei so ziemlich alle wichtigen Geheimnisse zu SpectreSpectre auf – bis auf eines, von dem wir wollen, dass es ein Geheimnis bleibt.

WANN STARTET DAS NEUE BOND-ABENTEUER? Traditionell wird SpectreSpectre wie die Vorgänger- Filme seine Weltpremiere in London feiern, und zwar am 26. Oktober im Beisein Ihrer Königlichen Hoheiten, Prinz William, seiner Gattin Kate und seinem Bruder Prinz Harry in der Royal Albert Hall – Cast und Crew werden natürlich ebenfalls anwesend sein. Zum ersten Mal in der Geschichte der 007-Filme wird das neue Agentenabenteuer zugleich auch schon in den Kinos in ganz Großbritannien und Irland anlaufen. Im deutschsprachigen Raum folgt dann der offizielle Kinostart erst zehn Tage später, am 5. November (in Nordamerika einen weiteren Tag später), wobei es auch schon am Abend des 4. November Premierenvorstellungen geben wird. Übrigens: Der Vorverkauf für die Tickets hat längst begonnen.

Photo: BONDGIRL Die Französin Léa Seydoux spielt die Tochter von Bonds Feind Mr. White / BOND IS BACK Daniel Craig hat zum vierten Mal als Agent mit der Lizenz zum
Töten zahlreiche Stunts zu meistern.

GEHT DIE HANDLUNG VON SpectreSpectre WIEDER AUF EINE VORLAGE VON IAN FLEMING ZURÜCK?
Jein. Schon im Vorfeld zu SkyfallSkyfall betonte Produzentin Barbara Broccoli (Tochter des legendären Bond-Produzenten Albert R. „Cubby“ Broccoli), dass die Filmreihe nun eigene Wege gehen würde. SpectreSpectre basiert also nicht auf einem Roman oder einer Kurzgeschichte von Fleming (wie z. B. noch Casino RoyaleCasino Royale), nimmt aber doch wieder viele Anleihen bei diesen – mehr als noch Ein Quantum Trost und SkyfallSkyfall. So kehrten mit Quartiermeister Q und M’s Sekretärin Eve Monneypenny zwei legendäre Figuren schon in SkyfallSkyfall zurück, die auch diesmal wieder eine Rolle spielen werden. Daneben wird SpectreSpectre wie im Vorgängerfilm erneut Aspekte aus James Bonds Vergangenheit offenbaren, die in den Romanen erzählt oder zumindest angedeutet werden.

WELCHE BEKANNTEN FIGUREN TRETEN ALSO AUF UND WER SPIELT SIE?
Neben Miss Monneypenny (wieder gespielt von Naomie Harris) und Q (erneut mit Ben Whishaw besetzt) wird der als Geheimdienstkoordinator Gareth Mallory bekannte Ralph Fiennes als neuer M zu sehen sein (als solsolcher wurde er bereits nach dem Filmtod von Judi Dench am Ende von SkyfallSkyfall präsentiert). Auch das ist eine Rückkehr zu den alten Gepflogenheiten: ein Mann hinter einem altmodischen Schreibtisch als Leiter des MI6. Daneben schlüpft Rory Kinnear (The Imitation Game) zum nunmehr dritten Mal nach Ein Quantum Trost und SkyfallSkyfall in die Rolle des Bill Tanner, seines Zeichens M’s Stabschef und in den Romanen der beste (und einzige) Freund Bonds im MI6.

Photo: NEUER CHEF Wurde in SkyfallSkyfall bereits eingeführt: Ralph Fiennes als Judi Denchs Nachfolger in der Rolle des M.

WELCHE BEDEUTUNG HAT DER TITEL SpectreSpectre?  Langjährige Fans der Reihe wissen es natürlich: SpectreSpectre (dt.: Gespenst, Phantom) ist die englische Bezeichnung des Geheimbundes, der in der deutschen Synchro der Bond- Abenteuer Liebesgrüße aus Moskau und Feuerball Phantom genannt wurde. Das Kürzel SpectreSpectre steht für „Special Executive for Counterintelligence, Terrorism, Revenge and Extortion“. Bei SpectreSpectre handelt es sich um eine weltweit operierende Terrororganisation, deren Symbol ein Oktopus ist. Sie tritt damit zum ersten Mal seit Diamantenfieber (1971, damals allerdings ohne dass explizit ihr Name fiel) wieder in der offiziellen Bond-Reihe in Erscheinung. Lange Jahre war die Verwendung des Namens Gegenstand eines bitteren Rechtsstreits. Das erste Mal war SpectreSpectre 1961 in Feuerball aufgetaucht, dem achten Roman der Reihe. Das Pikante: Ian Fleming hatte diesen auf der Grundlage eines Skripts geschrieben, das er zuvor zusammen mit dem Drehbuchautor Kevin McClory verfasst hatte – ohne diesen als Co-Autor zu erwähnen. Am Ende erhielt McClory die Rechte am Film Feuerball – und so auch an dem Namen der Terrororganisation (so ist auch die Existenz des außer der Reihe laufenden 007-Abenteuers Sag niemals nie von 1983 mit Sean Connery zu erklären, ein dank Mc- Clorys Filmrechten entstandenes Konkurrenz- Produkt und Remake von Feuerball). 2013 erwarben die Bond-Produzenten dann aber die Rechte an der Verwendung des Namens SpectreSpectre wieder. Und diesmal wird die Terrororganisation aller Voraussicht nach in Verbindung mit dem in Casino Royal (2006) und Ein Quantum Trost (2008) als Strippenzieher auftretenden Syndicat Quantum gebracht werden, womit auch die Kontinuität zu den Vorgängerfilmen gewahrt bleibt.

SpectreSpectre ODER AUCH PHANTOM, IST DAS NICHT DIE ORGANISATON VON BONDS ERZFEIND BLOFELD?
Genau. Ernst Stavro Blofeld tritt ebenso erstmals in dem Roman Feuerball auf und wird in der Folgezeit zu Bonds Nemesis. In dem Buch vereitelt Bond Blofelds Pläne mit in den Gewässern der Bahamas versteckten Atombomben. Im Roman Im Geheimdienst Ihrer Majestät sorgt 007 für die Zerstörung eines geheimen Laboratoriums des Oberschurken, woraufhin dieser Bonds Gattin noch am Tag der Hochzeit ermordet. Als gebrochener Mann sucht 007 Blofeld daraufhin auf der ganzen Welt und macht ihn im Folgeband Man lebt nur zweimal zufällig in Japan ausfindig. Seit über 40 Jahren nicht mehr Bestandteil der offiziellen Bond-Filmreihe, wurde Blofeld immer mal wieder im Vorfeld neuer Bond-Abenteuer ins Spiel gebracht, so zuletzt auch vor SkyfallSkyfall. Als dann im November letzten Jahres publik wurde, dass Christoph Waltz den Part des neuen Oberbösewichts in SpectreSpectre übernehmen würde, rankten sich sofort entsprechende Gerüchte um seine Figur. Waltz selber verneinte in Interviews mehrfach, Blofeld zu sein, und betonte, dass sein Charakter den Namen Franz Oberhauser trüge.

WER ALSO IST DANN DIESER NEUE SCHURKE UND IN WELCHER BEZIEHUNG STEHT ER ZU BOND?
In einer sehr engen, wie es aussieht. Denn auch der Name Oberhauser dürfte eingefleischten Bond-Roman-Fans bekannt sein: Hannes Oberhauser war (wie Ian Fleming in der Kurzgeschichte OctopussyOctopussy anhand von Rückblenden erzählt) ein österreichischer Skilehrer. Nachdem James Bond als Jugendlicher in Kitzbühel in die vorübergehende Obhut von Oberhauser kam, wurde dieser eine Art Ersatz für Bonds verstorbene Eltern. „Er war wie ein Vater für mich, zu einer Zeit, als ich einen brauchte“, lässt Fleming seinen Bond die Beziehung in OctopussyOctopussy kommentieren. Doch Hannes Oberhauser wurde von dem Schurken Dexter Smythe erschossen, seine vereiste Leiche wurde in einem schmelzenden Gletscher entdeckt. Nun sieht es ganz so aus, als spiele Christoph Waltz Hannes’ Sohn und damit eine Art Ziehbruder von James Bond. Denn erste Ausschnitte deuten darauf hin, dass beide zeitweilig gemeinsam aufwuchsen. Ob Franz Oberhauser aber zugleich das Pseudonym Blofeld tragen wird, das könnte die Bombe sein, die erst der Film platzen lassen möchte. Auf jeden Fall ist Christoph Waltz’ Figur ein hochrangiges Mitglied von SpectreSpectre und hat womöglich über Jahre seine Hände bei allem im Spiel gehabt, was Bond das Leben schwer gemacht hat.

Photo: OBERSCHURKE Christoph Waltz mimt Bonds großen Gegenspieler Franz Oberhauser – oder ist er doch Blofeld?

UND WELCHE NEUEN ODER ALTEN SCHURKEN SIND NOCH DABEI?
Auch hier wird eine mittlerweile fast vergessene Bond-Film-Tradition reaktiviert: Der Profi-Wrestler Dave Bautista (Drax aus Guardians of the Galaxy) schlüpft in die Rolle eines brutalen Handlangers des Oberschurken, was das erste Mal in der Ära Craig wäre, dass wir eine solche Figur zu sehen bekommen. Die Figur des Mr. Hinx wird von den Filmemachern als ein äußerst brutaler Schläger beschrieben – doch zugleich hochintelligent, und somit ein würdiger Gegenspieler für James Bond. Daneben dürfen sich Freunde der Kontinuität auf die Rückkehr des Mr. White (Jesper Christensen) freuen, der schon in Casino RoyaleCasino Royale und Ein Quantum Trost als Kontaktperson zu Quantum auftrat. Dieses Mal sehen wir ihn als einen verwahrlosten alten Mann, der sich in einer kalten Berghütte versteckt hat – doch das Schicksal in Person von James Bond macht ihn trotzdem ausfindig. Über ihn kommt Bond in Kontakt mit dessen attraktiver Tochter, die laut Regisseur in ihrer Beziehung zu Bond „ausschlaggebend“ für die Handlung sein wird.

Photo: SCHLÄGERTYP Mit Dave Bautista als Mr. Hinx bekommt Bond ein intelligentes Kraftpaket als Gegner.

ATTRAKTIVE TOCHTER? KLINGT NACH BOND-GIRL …
Richtig. Mr. Whites Tochter heißt Madeleine Swann und ist eine junge Psychologin, die an einer Privatklinik in Österreich arbeitet. Sie wird gespielt von der angesagten französischen Schauspielerin Léa Seydoux (Blau ist eine warme Farbe). „Sie ist ein sehr sensibler, intelligenter und menschlicher Charakter“, so Seydoux über ihre Figur im Gespräch mit der New York Times. „Sie lässt sich nicht so einfach von Bond verführen, sie fällt auf seine Tricks nicht rein. Sie ist ihm völlig ebenbürtig, sie ist unabhängig, stark und klug. Sie braucht ihn nicht und sie muss auch nicht darauf warten, dass er sie rettet.“ Natürlich muss Bond das aber trotzdem tun, denn Miss Swann landet alsbald auf der Abschussliste von SpectreSpectre.

ABER ES GIBT DOCH BESTIMMT NOCH WEITERE BOND-GIRLS?
Na klar. Allen voran den italienischen Star Monica Bellucci (Der Zauber von Malèna). Sie stellt gleich zwei neue Rekorde auf: Zum einen ist sie mit ihren 50 Jahren das älteste Bond-Girl aller Zeiten (ein Titel, den zuvor Honor Blackman innehatte, die 1965 mit 39 die Pussy Galore in GoldfingerGoldfinger mimte). Zum anderen ist sie als Bond-Girl älter als der aktuelle 007-Darsteller selbst, was es zuvor nur in zwei weiteren Filmen der Geheimagenten- Reihe gab (besagte Honor Blackman, die immerhin fünf Jahre älter war als Sean Connery, sowie Diana Rigg aus Im Geheimdienst Ihrer Majestät, die ein Jahr älter war als George Lazenby). Monica Bellucci spielt Lucia Sciarra, eine italienische Witwe, von der sich Bond Informationen über die Mafia-Tätigkeit ihres getöteten Mannes erhofft. Da Signora Sciarra ohne ihren Gatten in Lebensgefahr zu schweben scheint, vertraut sie sich 007 an – vermutlich nach intimer Bekanntschaft. Die Dritte im Bunde ist Stephanie Sigman (Miss Bala). Die Mexikanerin ist die erste Darstellerin ihres Landes, welche die Rolle eines Bond-Girls ausfüllen darf, was sich als Karriere- Sprungbrett für sie erweisen könnte. Über ihre Rolle der Estrella wird allerdings ein großes Geheimnis gemacht, womöglich beißt sie aber auch schon nach der Eröffnungssequenz ins Gras, in welcher sie und Bond sich … nun, eben „näherkommen“.

Photos: VERFÜHRT Monica Bellucci schlüpft in die Rolle des Bond-Girls Lucia Sciarra, einer Mafioso-Witwe in Not. / KONTAKT Die schöne Madeleine ist der Schlüssel zu der von Oberhauser geführten Organisation SpectreSpectre. / VERFÜHRERIN Die Mexikanerin Stephanie Sigman landet in der Eröffnungssequenz als Estrella mit 007 im Bett.

STICHWORT: ERÖFFNUNGSSEQUENZ. WAS WIRD DA DIESMAL ZU SEHEN SEIN?
Die berühmte Eröffnungssequenz führt 007 diesmal nach Mexico City, wo wir in der historischen Altstadt und auf dem Zócalo-Platz den Día de los Muertes miterleben, den mexikanischen Tag der Toten, an dem die Mexikaner ihren verstorbenen Familienmitgliedern die Ehre erweisen. Das überaus farbenprächtige Fest – für den Film vom November einfach mal auf den März verlegt – wird mit riesigen Karnevals-Umzügen und reichlich Totenkopf-Masken gefeiert. Beim aufwendigen Dreh an Originalschauplätzen kamen rund 1.500 kostümierte Statisten zum Einsatz. „Ich wollte, dass die Zuschauer sofort in ein sehr dichtes, sehr spezifisches Umfeld eintauchen“, so Regisseur Mendes. „Überall, wohin das Auge fällt, sieht man Farben, De-tails und viel Leben.“ In diesem Ambiente landet Bond mit der erwähnten schönen Estrella im Gran Hotel De La Ciudad De Mexico im Bett, wobei ein Fenster, hinter dem zwei Schurken ein Gespräch führen, seine Aufmerksamkeit gewinnt. Bald kommt es zum Showdown, Bond kann eine kriminelle Aktion verhindern und einen der beiden Bösewichte ausschalten. Er verfolgt den anderen, welcher in einem Helikopter flieht. Doch Bond springt hinterher – und wir dürfen uns auf einen spektakulären Stunt freuen, denn der Hubschrauberpilot bei der Sequenz heißt Chuck Aaron und ist der einzige Pilot der Welt, der seinen Helikopter in der Luft auf den Rücken drehen darf. Der mysteriöse Flüchtige entpuppt sich übrigens als italienischer Mafioso mit Namen Sciarra, was uns zurück zu Monica Belluccis Figur führt. Diese trifft Bond auf der Beerdigung ihres Gatten, wo er ihr vermutlich erst mal vorenthält, dass er ihren Mann auf dem Gewissen hat …

Photo: LANDESFEIER Die traditionelle Eröffnungssequenz führt Bond diesmal am Tag der Toten nach Mexiko.

UND WIE GEHT ES IM ANSCHLUSS WEITER?
Es war eine mysteriöse Nachricht, die Bond nach Mexico City geschickt hat, und nun in Rom in die Arme der Mafia-Witwe Lucia Sciarra führt. Dabei stößt er auf den Namen einer geheimnisvollen Terror-Organisation: SpectreSpectre. Zurück in London im (nach dem Bombenanschlag aus SkyfallSkyfall) neu eingerichteten Hauptquartier des MI6, macht der neue Chef des Centre for National Security namens Max Denbigh (Andrew Scott, der Moriarty aus der Serie Sherlock) Bond und dessen Vorgesetztem M das Leben schwer. Daraufhin bittet 007 Moneypenny – die ihn mit Erinnerungsstücken aus dem alten Herrenhaus seiner Familie konfrontiert – und Q, ihm heimlich dabei zu helfen, SpectreSpectre auf die Spur zu kommen. Der Schlüssel hierfür scheint die bereits erwähnte Madeleine Swann zu sein. Als Bond sie aufspürt, lehnt sie den Kontakt zu ihm anfangs ab. Doch als Tochter eines Killers kann möglicherweise ausgerechnet sie am besten einen Mann mit der Lizenz zum Töten verstehen. Als es Bond dank Madeleine gelingt, SpectreSpectre zu infiltrieren, findet er heraus, dass besagter Hans Oberhauser ein hohes Mitglied des Terrornetzwerkes ist und 007 schon lange erwartet hat … Wie SkyfallSkyfall taucht auch SpectreSpectre damit also tief in Bonds Vergangenheit ein.

UND DIE REGIE ÜBERNAHM DER GLEICHE WIE BEI SkyfallSkyfall?
Genau. Eine Weile war zwar ungewiss, ob Sam Mendes (Oscarpreisträger für American Beauty) einen zweiten Bond-Film inszenieren würde. 2013 betonte der Brite noch, sich wieder auf seine Theater-Projekte konzentrieren zu wollen. Doch wohl auch wegen der weltweiten Einnahmen von 1,109 Milliarden Dollar von SkyfallSkyfall waren die Produzenten Michael G. Wilson und Barbara Broccoli bereit, für eine weitere Zusammenarbeit zu warten, bis der 50-Jährige wieder Platz in seinem Terminkalender finden würde. Im Sommer 2013 wurde dann Mendes’ erneutes Engagement für Bond 24 publik gemacht. „Die Gründe, warum ich einen zweiten Bond-Film drehen wollte, sind dieselben wie bei jedem anderen Film: die Story“, so Mendes in einem Video-Blog. „Und SpectreSpectre ist ein Film, der ausschließlich von dem Charakter des James Bond angetrieben wird. Es geht darum, ob er weiter das Leben führen kann, das er immer geführt hat, und was das für ihn bedeutet.“ Doch inzwischen hat Mendes bekannt gegeben, dass SpectreSpectre sein Abgesang auf das Bond-Universum sein wird. Aber immerhin wurde durch ihn ebenso wie durch die Besetzung der Drehbuchautoren bei SpectreSpectre die Kontinuität gewahrt.

Photo: BOSS AM SET Für Regisseur Sam Mendes ist es der zweite Bond-Film – und aller Voraussicht nach der letzte.

WELCHE DREHBUCHAUTOREN SIND DAS?
Wie schon bei den letzten fünf (!) Bond-Filmen, also angefangen bei Die Welt ist nicht genug (1999), sind erneut Neal Purvis und Robert Wade an der Story beteiligt. Das Autoren- Duo ist also ein eingespieltes Team. Daneben ist wieder der mehrfach oscarnominierte John Logan (Gladiator) mit von der Partie, der seine Schreibqualitäten schon für SkyfallSkyfall einbrachte. Zudem können wir erleichtert bekanntgeben, dass auch Alexander Witt erneut Teil der Crew ist!

ALEXANDER WITT? WER IST DAS?
Der Name sagt Ihnen nichts? Witt ist einer der besten Second-Unit-Regisseure in Hollywood und ganz wesentlich für den Look der Actionszenen verantwortlich. Er ist der unbesungene Held in Filmen wie Gladiator (2000), Black Hawk Down (2001) und Robin Hood (2010) von Ridley Scott, Die Bourne Identität (2002) von Doug Liman sowie in den Bond- Filmen Casino RoyaleCasino Royale (2006) und SkyfallSkyfall (2012). Und diesmal durfte er in Sachen Budget aus dem Vollen schöpfen.

WIESO? WIE VIEL HAT DER NEUE BOND DENN GEKOSTET?
Im November 2014 gelangte durch den bekannten Überfall nordkoreanischer Hacker auf die digitale Infrastruktur von Sony Pictures (über den wir mehrfach berichteten) E-Mail- Korrespondenz sowie eine streng geheime Drehbuchfassung zu Bond 24 an die Öffentlichkeit. Aus einer E-Mail von MGM-Präsident Jonathan Glickman soll hervorgegangen sein, dass von den Produzenten 300 Millionen USDollar veranschlagt wurden, was SpectreSpectre zum mit Abstand teuersten Bond-Film aller Zeiten gemacht hätte (zum Vergleich: SkyfallSkyfall kostete rund 210 Millionen US-Dollar). Um die Produktionskosten zu senken, sollen die Macher auf einen kontroversen Deal mit Mexiko eingegangen sein – manche sprachen von Bestechung. So soll das zentralamerikanische Land angeblich Zahlungen in Höhe von 14 bis 20 Millionen US-Dollar geleistet haben.

IST ES SO VERWERFLICH, WENN EINE REGIERUNG ZU EINEM FILM GELD ZUSCHIESST UND DAFÜR IM GEGENZUG IN IHREM LAND GEDREHT WIRD?
Das kann man sehen, wie man will. Tatsächlich ist es längst üblich, dass manche Kommunen, Städte oder Länder sich z. B. über Filmfonds in Form von Zuschüssen oder Steuerermäßigungen in Filme „einkaufen“, wenn dafür im Gegenzug bei ihnen gedreht wird (was neben örtlichen Statisten auch Handwerk, Hotel und Gaststättengewerbe zugutekommt) und die Rollen mit heimischen „Stars“ besetzt werden. Doch solcherlei Gebahren nimmt auch immer größere Ausmaße an, wodurch Einfluss auf die Locations der Filme genommen wird. So steht die Frage im Raum, ob es den Filmen und ihrer Handlung wirklich immer zugutekommt, wenn plötzlich unbedingt in China (wie in SkyfallSkyfall geschehen) oder eben diesmal in Mexiko gedreht werden muss. Im aktuellen Fall soll sogar das Drehbuch eigens umgeschrieben worden sein, damit ausreichend Szenen in Mexiko gedreht und bestimmte repräsentative Gebäude im Film gezeigt werden. Da kommt einem natürlich als Erstes die Eröffnungssequenz in den Sinn. Außerdem soll das Drehbuch nach Wünschen der mexikanischen Regierung abgeändert worden sein, die Besetzung von Stephanie Sigman erst in letzter Minute sorgte in diesem Zusammenhang ebenso für Stirnrunzeln wie ein (angeblicher) Handlungsfaden rund um ein Attentat auf den Bürgermeister von Mexico City, der sang- und klanglos fallengelassen worden sein soll. Doch von offizieller Seite gab es keine Bestätigung für ein solches Abkommen. So oder so dürfte SpectreSpectre einer der kostspieligsten Filme der Filmgeschichte sein.

GAB ES WEITERE SCHWIERIGKEITEN BEI DER PRODUKTION?
Es ist davon auszugehen, dass Sony das Skript nach dem Hacker-Angriff noch einmal stark verändern musste. Zuvor hatten bereits Gerüchte die Runde gemacht, dass eine erste Drehbuch-Version von John Logan, der das Skript diesmal wohl ursprünglich alleine hatte schreiben sollen, vom Duo Purvis und Wade noch mal mächtig überarbeitet werden musste. Ansonsten aber verlief der Dreh selbst offenbar weitestgehend planmäßig.

Photo: SCHÖNES PAAR Daniel Craig als 007 und Léa Seydoux als Bond-Girl – ob hier gar eine romantische Liebesbeziehung wie einst mit Vesper Lynd in Casino RoyaleCasino Royale entsteht?

WANN UND WO WURDE DENN ABGESEHEN VON MEXIKO DIESMAL NOCH GEDREHT?
In den österreichischen Alpen wurden in dem 700-Seelen-Ort Obertilliach in Osttirol Verfolgungsjagden durch enge Straßen in der Schneelandschaft gefilmt. Es wird kolportiert, dass dieser Sequenz im Film mit immerhin ganzen 25 Minuten Laufzeit (inklusive eines Flugzeugabsturzes und einer wilden Verfolgungsjagd) eine Schlüsselrolle im Film zukommen wird. Daneben ging es ins berühmte Ski- Paradies Sölden im Ötztal, wo unter anderem in einem Gletscherstraßentunnel gedreht wurde, sowie in dem bzw. um das Restaurant „Ice Q“, ein würfelförmiger Glaspalast auf dem über 3.000 Meter hohen Gaislachkogel; das Gebäude wird womöglich die Klinik darstellen, in welcher Franz Oberhauser seinen kriminellen Machenschaften nachgeht (ein Aspekt, der wieder zurück zu Blofeld und den Roman Im Geheimdienst Ihrer Majestät zu führen scheint). Als dritte österreichische Kulisse für ruhigere Filmsequenzen diente eine Fischerhütte in Altaussee.

KLINGT ALLES NICHT SO EXOTISCH? WAR’S DAS SCHON?
Nein, wie immer ging es rund um die halbe Welt. So filmte das Drehteam nach Mexiko auch in Marokko, wo im Hafen von Tanger, in der am Rand der Sahara gelegenen Ortschaft Erfoud sowie der Stadt Oujda Szenen gedreht wurden. In Letzterer liegt ein Bahnhof des Oriental-Desert-Express, in dem eine längere Sequenz spielen wird, in der sich Bond und Madeleine Swann näherkommen werden. Tatsächlich musste Cast und Crew beim Dreh mit Sandstürmen leben, auch hatte man mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius zu kämpfen. Daneben zog es die Macher aber traditionell auch ins kühle London, wo unter anderem an bekannten Orten wie dem Big Ben, dem Trafalgar Square, der Themse (inklusive wilder Rennboot-Fahrt) sowie dem realen Hauptquartier des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 Außenaufnahmen entstanden. Wie immer bei James Bond wurden außerdem die meisten Innenaufnahmen und einige der großen Sequenzen in den Pinewood Studios bei London gefilmt. Ach ja, und dann ging es schon zu Beginn des Drehs nach Rom, wo als weiteres Highlight des Films eine nächtliche Verfolgungsjagd zwischen Bonds Flitzer und einem von Mr. Hinx gesteuerten Jaguar CX-75 stattfinden wird.

Photo: ACTION SATT Auf den Straßen von Rom wurde in guter Bond-Tradition eine wilde Autoverfolgungsjagd gedreht.

WELCHEN WAGEN FÄHRT 007 DENN DIESMAL GENAU?
Natürlich bleibt Bond dem Aston Martin treu (ebenso wie der guten alten Walther PPK als Schusswaffe). Doch nachdem 007 in SkyfallSkyfall noch im Klassiker Aston Martin DB 5 saß, wel-cher als DER Wagen von James Bond schlechthin gilt, bekommt Daniel Craig in SpectreSpectre ein Unikat zur Seite gestellt. Extra für den Geheimagentenfilm ließ Aston Martin mit dem DB 10 einen neuen Sportwagen anfertigen: ein zweitüriges V8-Coupé, von dem nur zehn Exemplare hergestellt wurden. Fehlen werden, wie gewohnt bei den neueren Bond-Filmen, weiterhin die übertriebenen Gadgets der Connery- und Moore-Filme, wobei Bonds Wagen diesmal immerhin mit einem Flammenwerfer am Heck ausgestattet sein wird. Für die Szenen in der verschneiten Berglandschaft Österreichs benötigte man übrigens eine robustere Art von fahrbarem Untersatz. Somit tauchen hier die beiden Geländewagen Range Rover Sport SVR und Land Rover Defender „Big Foot“ auf. Aber noch interessanter für Hardcore-Filmfans dürfte ein ganz anderes Technik-Element des Film sein.

... UND DAS WÄRE?
SpectreSpectre ist der erste James Bond-Film, der mit einer Alexa 65 gedreht wurde, die neueste, heiß begehrte Digitalkamera aus dem Hause Arriflex in München. Die Alexa 65 kann mit einer phänomenalen Auflösung von 6K punkten – doch auch sie gibt es noch nicht in Serie, bislang sind nur wenige Testmodelle im Umlauf, die unter Kameramännern sehr begehrt sind. Auch das neue Star Wars-Spin-off Rogue One wird übrigens mit einer Alexa 65 gedreht werden.

Photo: UM DIE WELT Gedreht wurde neben Mexiko City und Rom auch in Österreich, Marokko sowie in London.

DAS KLINGT ABER GLEICHZEITIG, ALS WÜRDE ES ERNEUT KEINEN 3D-BOND GEBEN …
Richtig. Auch diesmal blieb man bei der 2DOptik; Kameramann Hoyte Van Hoytema, der schon Christopher Nolans Interstellar komplett auf Zelluloid drehte, filmte sogar auf 35mm-Film statt digital. Aufgrund der hervorragenden Bildqualität wird SpectreSpectre wie schon SkyfallSkyfall aber auch im IMAX-Format gezeigt werden – riesengroß, wuchtig und gleichzeitig gestochen scharf.

SO VIEL ZUM THEMA BILD. KOMMEN WIR ZUM TON: WER SINGT DIESMAL DAS TITELLIED UND WIE HEISST ES?
Der Song zum 24. Bond-Abenteuer heißt Writing’s On the Wall und wird von Sam Smith gesungen. Seit dem 25. September 2015 ist das Lied des britischen Sängers bereits zu hören. Geschrieben hat der mehrfache Grammy-Gewinner das Titellied zusammen mit Jimmy Napes, den er bereits von früheren Koproduktionen kennt. Mit Hits wie I’m Not the Only One, Money on My Mind und Stay with Me konnte Sam Smith in letzter Zeit sowohl in seiner Heimat als auch international große Erfolge feiern. Der Musiker tritt das schwere Erbe von Soul-Sängerin Adele an, die für SkyfallSkyfall als erste Interpretin eines Titelliedes der 007-Reihe einen Oscar erhielt. Den Soundtrack zum Film komponierte wie bei SkyfallSkyfall (und übrigens auch bei Steven Spielbergs Agentenfilm Bridge of Spies) der 12-fach Oscar-nominierte Thomas Newman.

Photo: MUSIKER Sam Smith steuert diesmal den wichtigen Bond-Song zum Film zu. Titel: Writing’s On the Wall.

BLEIBT NUR NOCH EINE LETZTE FRAGE: WERDEN WIR DANIEL CRAIG IN SpectreSpectre DAS LETZTE MAL ALS JAMES BOND SEHEN?
Schwer zu sagen. 2006 war Daniel Craig erstmals in seiner Rolle als 007 zu sehen, nach seinem dritten Bond-Film SkyfallSkyfall zeigte der Brite aber bereits Ermüdungserscheinungen, da die Drehs ungemein aufwendig für ihn sind und zudem monatelanges Training erfordern. Obwohl Craig vor SpectreSpectre dann doch einen Vertrag für zwei weitere Filme unterzeichnet haben soll, scheint ein Ausstieg nach seinem vierten Film als 007 also denkbar. Auf die sinngemäße Frage des Esquire-Magazins, ob er selbst wenigstens Gefallen an einer Rückkehr als James Bond finden würde, antwortete Craig: „In diesem Moment, nein. … Aber wir werden sehen.“ Vermutlich steht und fällt seine „Entlassung“ aus der Bond-Rolle für die Produzenten mit einem geeigneten Nachfolger, es werden schon einige gehandelt. Zuletzt war dies Damian Lewis (TV-Serie Homeland) und der derzeit auf der Leinwand omnipräsente Tom Hardy (Mad Max: Fury Road). Ersterer wäre der erste rotschopfige Bond, aber nach einem blonden dürfte auch das ja kein Problem mehr sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Idris Elba (Mandela) als erster dunkelhäutiger 007 Craigs Nachfolge antreten könnte, ist da vermutlich noch geringer. Die Fans dürften sicherlich sowieso überwiegend auf ein weiteres 007-Abenteuer mit Daniel Craig hoffen.

WAS UNS DOCH NOCH ZU EINER ALLERLETZTEN HARTNÄCKIGEN FRAGE ZURÜCKFÜHRT: IST CHRISTOPH WALTZ DENN NUN BLOFELD ODER NICHT?
Ganz ehrlich: Wir wissen es nicht – haben allerdings eine Vermutung!* Es wäre durchaus denkbar, dass Oberhauser (trotz seiner stilechten Nehru-Jacke) nicht Blofeld ist – oder erst zu diesem wird: In Im Geheimdienst Ihrer Majestät hatte sich Blofeld einer kosmetischen Operation unterzogen, um nicht erkannt zu werden. So könnte dann im nächsten Agenten-Actioner so ziemlich jeder Schauspieler in die Rolle des „neuen“ Oberhauser/Blofeld schlüpfen, denn auch das Jubiläums-Abenteuer (es wird der 25. Bond-Film sein) braucht schließlich einen guten Oberschurken. Bis zur Premiere wird sich das gesamte Filmteam zu diesem Thema aber planmäßig bedeckt halten. Und das ist auch gut so, wie wir als Filmfans finden. Denn schließlich wäre es (für uns alle) langweilig, wenn sich schon im Vorfeld eines Films wie diesem ALLE Geheimnisse aufdecken lassen würden. Bei SkyfallSkyfall war es der Titel, der bis zum Schluss sein Geheimnis wahrte – der Name steht für das Herrenhaus, in dem Bond mit seinen Eltern aufwuchs. Bei SpectreSpectre wird es die Frage nach Blofeld und die Identität von Franz Oberhauser sein. Lassen wir dies bis zu unserem Kinobesuch ein Geheimnis bleiben. /

// PROGNOSE SUPER

* Wir werden unsere diesbezügliche Annahme, die wir derzeit noch nicht spoilern wollen, beim (in einer der kommenden Ausgaben folgenden) Heimkino-Test zu SpectreSpectre offenbaren

// VERLOSUNG

Um Ihnen das Warten auf das 24. Bond-Abenteuer etwas zu versüßen, verlost WIDESCREEN in Zusammenarbeit mit 20th Century Fox Home Entertainment

1 x The James Bond Collection auf Blu-ray (enthält alle 23 Bond-Filme + Leerplatz für SpectreSpectre + neues Bonusmaterial + 52-seitiges Booklet)

Um zu gewinnen, beantworten Sie folgende Frage: „In welchem Buch von Ian Fleming taucht die Terror-Organisation SpectreSpectre erstmals auf?“

Ihre Antwort schicken Sie einfach per Postkarte oder E-Mail an Computec Media GmbH, Redaktion WIDESCREEN, Dr.-Mack-Straße 83, 90762 Fürth oder redaktion@widescreen-online.de

Einsendeschluss ist der 5. November 2015. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.



// INTERVIEW MIT DANIEL CRAIG

INTERVIEW / RÜDIGER STURM

Mit seinem vierten Bond-Film zieht Daniel Craig mit Vorgänger Pierce Brosnan gleich. Wir sprachen mit dem 47-jährigen Briten über Knieverletzungen, ältere Damen und einzigartige Momente.

Mr. Craig, in SkyfallSkyfall gab es überraschende Umwälzungen und Enthüllungen zu Bonds Vergangenheit. Wie spielt das in SpectreSpectre hinein?
Der Film baut auf jeden Fall auf dem anderen auf. Wir haben eine Handlungslinie, die mit Casino RoyaleCasino Royale begann, sich in Ein Quantum Trost fortsetzte und jetzt über SkyfallSkyfall in diesen Film führt. So etwas hat es bei Bond noch nicht gegeben. Der Held verändert sich von Film zu Film – so wie ich mich verändert habe. Ich wüsste auch nicht, wie ich diese Rolle sonst anders spielen sollte.

Es ist Ihnen also bewusst, dass Sie den psychologisch komplexesten Bond der Geschichte darstellen?
Ich frage mich nicht bewusst: Wie kann ich Bond psychologische Tiefe geben? Aber ich habe eben eine ganz bestimmte Arbeitsweise. Wenn ich eine Rolle übernehme, dann analysiere ich sie: Was beeinflusst die Figur? Warum verhält sie sich so und nicht anders? Und Bond ist eben ein konfliktgeladener Charakter, sodass sich bestimmte psychologische Momente automatisch ergeben.

Und seine Entwicklung haben Sie direkt mit beeinflusst …
Ja, ich bin komplett in die Drehbuchentwicklung eingebunden. Ich höre nicht auf, den Leuten auf die Nerven zu gehen (lacht). Im Ernst, ich schätze mich glücklich, dass wir so einen gemeinschaftlichen Arbeitsprozess haben. Der letzte Film war sehr erfolgreich und uns allen war klar, dass wir ihn irgendwie toppen müssen. Deshalb haben wir bis zum letzten Moment am Skript gearbeitet – bis hin zum Ende des Drehs. Das war ein enormer Druck, denn gleichzeitig musst du natürlich die Dreharbeiten planen, Sets bauen und so weiter.

Auf welche Art toppen Sie SkyfallSkyfall denn?
Ich kann natürlich jetzt nicht die ganze Handlung verraten. Aber wir haben in SkyfallSkyfall gute Voraussetzungen geschaffen, indem wir tabula rasa gemacht und neue Figuren eingeführt haben – einen neuen M, einen neuen Q und eine neue Moneypenny. Und es war der intensivste Bond- Film, den ich je gemacht habe, gerade weil wir so viel Zeit für das Drehbuch verwendet haben.

Können Sie uns dazu zumindest ein Beispiel aus dem Film geben? Was war ein solcher intensiver Moment?
Gut, nehmen Sie unsere Sequenz in Mexiko City. Da laufe ich durch eine Menge von 2.000 Statisten über den Hauptplatz der Stadt, über mir fliegt ein Helikopter, überall ist Chaos. Das sind Momente, die sind unvergesslich. Wir haben Crewmitglieder, die beim Film schon alles gesehen haben – und die haben gelächelt, weil das so einzigartig war.

Der Dreh war ja sogar so intensiv, dass Sie sich das Knie verletzten. Wie problematisch war das?
Das passierte nach dem ersten Drittel, aber letztlich hatte das auch seine Vorteile. Heute kann ich das zumindest leicht sagen, damals fühlte es sich gar nicht danach an. Wir stoppten den Dreh für zwei Wochen – und das war eigentlich das Letzte, was ich wollte. Schließlich standen wir unter einem enormen Zeitdruck. Wenn du nach zwei Jahren Vorbereitung endlich losgelegt hast, ist es schon frustrierend, plötzlich pausieren zu müssen. Aber das Gute war, dass ich mich in der Zeit in Form bringen konnte, damit die Belastung für mein Knie während des restlichen Drehs nicht mehr so groß war. Das hatte zur Folge, dass ich am Ende nicht mehr so kaputt war wie nach SkyfallSkyfall.

Sie wollten ja unbedingt, dass Sam Mendes als Regisseur weitermacht. Warum?
Weil wir mit SkyfallSkyfall Bond auf eine neue Ebene geführt hatten. Nach dem Film hatte ich das Gefühl, dass unsere Arbeitsbeziehung erst am Anfang steht. Und ich wusste, dass wir weiter gehen können. Was wir, glaube ich, auch geschafft haben. Ob SpectreSpectre gut oder schlecht ist, kann ich selbst schlecht beurteilen, aber wir trieben uns die ganze Zeit gegenseitig an.

Genießen Sie es eigentlich, sich als Bond auf der Leinwand zu sehen?
Nein, ich hasse es! Denn wenn ich mich auf der Leinwand sehe, dann ist der Dreh vorbei. Ich kann nichts daran ändern, selbst wenn mir was nicht gefällt. Ich schaue mir den Film vielleicht einmal an, und das reicht dann auch.

Ist es beim vierten Mal eigentlich anders, James Bond zu sein?
Ja und nein. In gewisser Weise fühlte sich SpectreSpectre so an, als würde ich Bond zum ersten Mal spielen. Ich habe meine Erinnerungen abzublocken versucht, um einfach nur die Geschichte so gut wie möglich zu genießen.

    „WIR MUSSTEN SkyfallSkyfall TOPPEN“

Es gibt ja eine ganz konkrete Neuerung in SpectreSpectre: Bond hat ein Verhältnis mit einer Frau, die älter ist als er ...
Ja, ja, die „ältere“ Dame. (schmunzelt) Das ist Monica Bellucci – vergessen Sie das nicht! Wir hatten unglaubliches Glück, dass sie mitmachen wollte. Durch sie wurde die Geschichte viel besser.

Es gibt inzwischen wieder mal Gerüchte, dass Sie als Bond aufhören könnten ...
Darüber habe ich mir in letzter Zeit keine Gedanken gemacht.

Zum HD-Trailer von SpectreSpectre: www.widescreen-online.de/go/SpectreSpectre


// FORUM
EMANUEL BERGMANN / „So kennen wir ihn: Daniel Craig als lässiger Agent mit der Lizenz zum Töten. Doch wer kannte den Namen Craig tatsächlich schon, bevor dieser 2006 zum neuen James Bond ernannt wurde? Wer hat Filme wie Love Is the Devil, Die Mutter und Liebeswahn geschaut? Wir werfen ab Seite 90 einen Blick auf die Herkunft und filmischen Anfänge des Mannes, der inzwischen schon wieder als 007 abzudanken droht, und auf dessen großen Karrieresprung.“

// TEAM
WAS HALTEN WIR VON DANIEL CRAIG & WEN HÄTTEN WIR GERNE ALS NÄCHSTEN 007?

DIE REDAKTION

TIM SÜNDERHAUF / CHEFREDAKTEUR
... war 2005 skeptisch, als Craig als neuer Bond vorgestellt wurde. Nicht, weil dieser blond ist, sondern weil er ihn aus Filmen wie Die Mutter, Lara Croft und Road to Perdition kannte und nicht als den perfekten Typus empfand. Doch Craig hat ihn schon mit Casino RoyaleCasino Royale und seiner Interpretation als eiskalter und doch verletzlicher 007 restlos überzeugt. Wer jetzt folgen soll? Keiner! Craig sollte einfach noch bleiben.

JUDITH MACKOWSKI / DESIGNERIN
... sieht in Daniel Craig den perfekten 007, schaut ihm aber gern auch in anderen Rollen zu. Ein neuer James Bond wäre also in Ordnung, vor allem, da ein neuer Darsteller einfach mehr Abwechslung bringt. Schon vor einiger Zeit fiel ihr Henry Cavill (Superman) in Die Tudors positiv auf. Cavill, Michael Fassbender und Luke Evans würden ihrer Meinung nach gut passen. Tom Hardy wäre ihr zu klein.

EMANUEL BERGMANN / US-KORRESPONDENT
... würde es durchaus interessieren, was ein Idris Elba oder David Oyelowo aus der Rolle machen würde; Letzterer wird jedoch als 007 nur in den Audiobooks zu hören sein. Aber auch Damian Lewis oder Tom Hardy wären absolut perfekte Kandidaten. Gerüchten zufolge ist ja auch immer wieder Hugh Jackman im Gespräch, aber – bei aller Liebe – das geht nicht: Bond muss Brite bleiben!

THOMAS RAAB / REDAKTEUR
... war von dem Wechsel von Gentleman Brosnan zu Haudegen Craig zunächst wenig begeistert. Doch die darstellerische Frischzellenkur und Neuausrichtung hat der Reihe überaus gutgetan und womöglich sogar das Überleben gerettet. Inzwischen ist Craig ein legendärer Bond-Typus wie einst Sean Connery geworden. Ein schweres Erbe also, das Tom Hardy antreten könnte.

SANDRA SEEWALD / REDAKTIONSASSISTENTIN
... hat Craig mit den blonden Haaren und den stechend blauen Augen rein optisch ja eher als charismatischen, attraktiven Bad Boy auf der Seite der Gegner eingeordnet. Je öfter man ihn aber in der Rolle des Bond sieht, desto besser passt es. Satt gesehen hat sie sich an dem Briten aber noch lange nicht und würde ihn gerne noch ein paar Jahre als 007 sehen. Nachfolge: Christian Bale vielleicht?

CHRISTIAN RAVEN / PRAKTIKANT
... ist erst seit der Craig-Ära Fan der Reihe und dadurch auch großer Befürworter des Briten. Aufgrund seiner überzeugenden Darstellung des harten, aber auch zugleich gefühlvollen James Bond würde er sich über ein weiteres Engagement freuen. Falls nicht, wäre er für einen vielschichtigen 007-Darsteller, wie es zum Beispiel Christian Bale oder Benedict Cumberbatch sein könnten.

WEITERE MITARBEITER DIESER AUSGABE

RAINER ROSSHIRT / KOLUMNIST
... hält Daniel Craig für einen guten Schauspieler, ist aber der Meinung, dass dieser James Bond nur unzureichend verkörpert. Aus Bond wurde mit ihm ein austauschbarer, unbritischer Actionstar. Leider fällt ihm derzeit auch niemand ein, der einem Sean Connery oder Roger Moore das Wasser reichen könnte.

CHRIS KNIGHT / FREIER JOURNALIST
... versteht die 007-Welt schon seit Anfang der 1970er nicht mehr, als der geleckte Schnösel Roger Moore den Part übernahm und daraus einen herumalbernden Gigolo mit völlig überzogenen Gadgets machte. Es kann nur einen geben! Connery muss also zurückkehren! Wie, zu alt?! Kann man doch per CGI lösen ...

SIMON SCHOLL / FREIER JOURNALIST
... wird 007 wohl auf ewig mit der Gentleman-Variante von Pierce Brosnan verbinden – die Jugend prägt einfach. So hätte er auch nichts dagegen, Craig in Zukunft in anderen Rollen zu sehen, denn als Schauspieler ist der Mann grandios. Und vielleicht würde Brosnan wie einst Connery ja noch mal in seine Paraderolle zurückkehren?

FRANK ERIK WALTER / REDAKTEUR TECHNIK
... fand den Wechsel von Schischi-Agent Brosnan zum bodenständigen 007 Daniel Craig damals überfällig, wäre aber jetzt wieder für einen „verspielteren“ Bond. Schade, dass sich sein Favorit James McAvoy zu klein findet und die Rolle für Michael Fassbender oder Tom Hardy eine Karriere- Sackgasse bedeuten würde.



// BRIEFKASTEN

// ROSSIS VISIONEN

Not amused!

Im November soll es also wieder so weit sein – der neue James Bond kommt in die Kinos. Ich bin nicht gerührt und mich schüttelt es!

Vor ein paar Wochen veröffentlichte Sam Smith den neuen Bond-Song Writing’s on the Wall, was ihm vermutlich viel Ruhm und noch mehr Geld einbringen wird. Das Lied ist nicht übel, hat aber für mich nicht annähernd den Wiedererkennungswert von GoldfingerGoldfinger und Herr Smith ist wahrlich keine Shirley Bassey. Und da wären wir auch schon bei meinem grundsätzlichen Problem. Ich war ein Fan dieser Reihe, als James Bond noch vom unvergleichlichen Sir Sean Connery verkörpert wurde. Einem Bond, welcher der Inbegriff eines englischen Gentlemans war, stets auf Stil und Umgangsformen bedacht. Rohe Gewalt wurde nur in ausweglosen Situationen angewandt. Auch zu Zeiten von Roger Moore wurde dieses Bild aufrechterhalten. Leider ging es dann rasant bergab. Nicht dass die Filme schlechter wurden – die Hauptdarsteller entfernten sich einfach immer weiter von dem, was ich mir unter Herrn Bond vorstelle, und wurden immer weniger … äh … britisch.

Den vorläufigen Tiefpunkt fand alles mit Daniel Craig. Gewiss kein schlechter Schauspieler, aber kein James Bond. Aus dem britischen Gentleman wurde ein durchtrainierter Nahkämpfer, ohne jeglichen Charme. Nicht dass ich jetzt die neuen Filme der Reihe schlecht finden würde. Allerdings sind sie keine James Bond-Filme mehr. Dazu wirken Sie zu amerikanisch und austauschbar. Manchmal frage ich mich, wie der nächste 007-Film wohl genannt werden wird. Sollte dabei Mission Bourne & Furious herauskommen, würde mich das vermutlich nicht einmal mehr wundern. Seit Monaten wird bereits orakelt, wer als Nächstes die Rolle übernehmen könnte. Idris Elba hat dabei gute Chancen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber James Bond ist für mich ein blasser Brite, kein dunkelhäutiger. Auch ein homosexueller Bond ist im Gespräch, was mir persönlich egal ist. Allerdings frage ich mich, wie, und warum, man da die Bond-Girls unterbringen will. Aber da 007-Filme inzwischen für mich ganz normale Agententhriller sind, mangelt es bei mir für diese Diskussionen am nötigen Interesse. Hauptsache, der nächste Bond wird nicht von Conchita Wurst gespielt – obwohl ja diese(r) auch gleich die Titelmelodie dazu intonieren könnte.

Was halten Sie von Bond und Craig?
Schreiben Sie Rossi an leserbriefe@widescreen-online.de

// PORTRÄT

DER MANN, DER 007 WURDE

Sein Name ist Bond. James Bond. Doch schon bevor er in die wohl berühmtesten Fußstapfen der Filmgeschichte trat, war DANIEL CRAIG ein bemerkenswertes Talent, das in einigen bahnbrechenden Filmen aufgetreten ist. WIDESCREEN wirft einen Blick auf seine Karriere.

AUTOR / EMANUEL BERGMANN

Eine schwarz vermummte Gestalt springt durch eine Dachluke in eine kleine Wohnung. Es ist ein Auftritt, wie man ihn normalerweise aus Superheldenfilmen kennt, allerdings merklich ironisiert – der Vermummte fällt auf die Schnauze. „Sie sind der tollpatschigste Einbrecher, den ich je gesehen habe“, meint daraufhin der berühmt- berüchtigte Avantgarde- Maler Francis Bacon (gespielt von Derek Jacobi) zu dem Eindringling, der gerade bei ihm in die kleine Dachwohnung gepoltert ist. „Komm ins Bett und du kannst alles haben was du willst.“ So betritt Daniel Craig die Filmgeschichte – es ist ein fulminanter Auftritt. In dem brillanten, wenn auch gewöhnungsbedürftigen TV-Film Love is the Devil (1998) von Regisseur John Maybury (The Jacket) spielt Craig den manipulativen schwulen Ganoven George Dyer, der mit dem Maler Bacon eine verstörende Beziehung eingeht. Das war 1998, ein für Craigs Karriere wichtiges Jahr. Denn nachdem er sich die Neunzigerjahre durch Auftritte in britischen TV-Serien über Wasser gehalten hat, wird er nun erstmals einem größeren Publikum bekannt. In Shekhar Kapurs (New York, I Love You) überaus erfolgreichem Historienschinken Elizabeth (1998) mit Cate Blanchett ist er als der Jesuitenpriester John Ballard zu sehen, der wegen eines Attentatsversuchs auf Königin Elizabeth I. von England hingerichtet wird. Ein Jahr später kann er in dem Kriegsfilm Der Schützengraben (1999) von Regisseur und Autor William Boyd (A Good Man in Africa) überzeugen. In Some Voices (2000) von Regisseur Simon Cellan Jones (Fitz) brilliert er als der schizophrene Ray. Spätestens ab da ist klar: Daniel Craig ist angekommen!

Photos: BEKANNTESTE ROLLE Daniel Craig 2012 als 007 mit Aston Martin beim Fotoshooting zum 23. Bond-Film SkyfallSkyfall / PRIVAT GLÜCKLICH Gaben sich am 22. Juni 2011 das Jawort: Craig und die zwei Jahre jüngere Kollegin Rachel Weisz.

In bester Gesellschaft
Geboren wird Craig in kleinen Verhältnissen in der britischen Ortschaft Chester, am 2. März 1968. Seine Mutter Carol Olivia ist Kunstlehrerin, seinem Vater Timothy John Wroughton Craig gehört ein Pub in der Ortschaft, das „Ring o’ Bells“. Doch als Craig fünf Jahre alt ist, lassen sich seine Eltern scheiden. Craig und seine wenige Jahre ältere Schwester Lea kommen in die Obhut einer Tante in Liverpool. Schon früh interessiert er sich für die Künste, insbesondere für Schauspielerei. Als Jugendlicher nimmt ihn seine Mutter öfter ins renommierte Everyman Theatre mit, bald festigt sich bei ihm der Wunsch, Schauspieler zu werden. Im Alter von 16 Jahren wird er ins Londoner National Youth Theatre aufgenommen, eine als wohltätige Institution gedachte Schauspielschule, die benachteiligte Jungtalente fördern will. Zu den Absolventen zählen neben Craig auch Orlando Bloom, Daniel Day-Lewis, Chiwetel Ejiofor, Colin Firth, Derek Jacobi und Ben Kingsley. Craig ist also in bester Gesellschaft. Er zieht nach London und widmet sich ganz der Schauspielerei. Um sich sein Studium zu finanzieren, jobbt er nebenbei als Kellner. Bald nimmt er den nächsten Schritt, er wird von der renommierten Schauspielschule Guildhall School of Music and Drama aufgenommen. Es dauert nicht lange, da folgen auch schon die ersten Theaterauftritte. So ist er im Royal National Theatre unter anderem in Tony Kushners Kult-Drama Angels in America zu sehen – für manch anderen Schauspieler die Krönung seiner Karriere, doch für Craig ist es erst der Anfang. Wie so viele Briten seiner Zunft arbeitet er einige Jahre lang vorwiegend fürs Fernsehen, bis er schließlich den Sprung auf die große Leinwand schafft. Es ist eine Zeit der Umbrüche.

Erste Meisterleistung
1992 heiratet er die Schauspielerin Fiona Loudon, mit der er eine Tochter hat, Ella. Doch bereits 1994 lässt sich das Paar wieder scheiden. 1997 lernt er am Set des ansonsten vergessenen Dreiecksbeziehungs-Thrillers Obsession Heike Makatsch kennen und lieben. Es folgen eingangs erwähnte Leinwandauftritte, durch die Hollywood auf ihn aufmerksam wird. In Lara Croft: Tomb Raider (2001) spielt Craig Seite an Seite mit Angelina Jolie und wird somit zum ersten Mal auch von einem internationalen Publikum wahrgenommen. Ein Jahr später kann er sich seinen Ruf als hervorragender Charakterschauspieler in der TVVerfilmung des Dramas Copenhagen von Michael Frayn sichern. In dem brillanten Theaterstück spielt er den deutschen Physiker Werner Heisenberg, der in Kopenhagen von seinem Freund und Kollegen Niels Bohr (Stephen Rea) bekniet wird, Nazideutschland zu verlassen und für die Alliierten zu arbeiten. Heisenberg lehnt ab, nicht etwa weil er dem Regime gegenüber loyal wäre – ganz im Gegenteil –, sondern weil er um das Wohlergehen seiner Familie in Deutschland besorgt war. Craig legt eine Meisterleistung hin.

Photos: Obsession (1997), Love is the Devil (1998), Der Schützengraben (1999), Some Voices (2000), Lara Croft: Tomb Raider (2001), Road to Perdition (2002), Copenhagen (2002), Die Mutter – The Mother (2003), Sylvia (2003), Layer Cake (2004), Liebeswahn – Enduring Love (2004), München (2005), Kaltes Blut (2006), Casino RoyaleCasino Royale (2006), Der Goldene Kompass (2007), Invasion (2007), Ein Quantum Trost (2008), Unbeugsam – Defiance (2008), Cowboys & Aliens (2011), Dreamhouse (2011), Verblendung (2011), SkyfallSkyfall (2012)
© Joe Seer, Shelly Wall/Shutterstock.com

Kaum wiederzuerkennen
2002 tritt er bereits wieder in einem Hollywoodfilm auf, dieses Mal kann er jedoch zeigen, was als Schauspieler in ihm steckt: Unter der Regie des späteren SkyfallSkyfall-Machers Sam Mendes ist Craig in dem Gangsterdrama Road to Perdition (2002) an der Seite von Tom Hanks und Paul Newman zu sehen. Craig spielt den psychisch labilen Connor, Sohn des Gangsterbosses Rooney (Newman). Seine Nebenrollen- Performance ist bestechend und Sam Mendes wird sich später noch gerne an Craig erinnern. In der Folgezeit wechseln sich bei Craig Indie- Produktionen mit Mainstream-Filmen ab. So schlüpft er 2003 in Die Mutter – The Mother in die einfühlsame Rolle eines Mannes, der eine Affäre mit der doppelt so alten Mutter seiner Lebensgefährtin beginnt. Zwei Jahre später folgt dann die erste Hauptrolle. In Matthew Vaughns (Kick-Ass) vergnüglicher Gangster- Comedy Layer Cake (2004) überzeugt Craig als ein Londoner Gangster, den man nur unter dem Chiffre „XXXX“ kennt. Der Film wird ein Hit und Craig ist jetzt scheinbar ganz oben. Doch statt sich mit dem Erreichten zufriedenzugeben, zeigt er in dem hervorragenden und sehr verstörenden Thriller Liebeswahn – Enduring Love (2004) von Roger Michell (Notting Hill) eine ganz andere Seite: Craig spielt hier den schüchternen und verklemmten Akademiker Joe, der zusammen mit einem Fremden namens Jed (gespielt von Rhys Ifans, Notting Hill) einen grotesk-blutigen und absurden Unfall mit einem Gasluftballon (!) überlebt, woraufhin Jed plötzlich der wahnsinnigen Meinung zum Opfer fällt, Gott habe die beiden zueinandergebracht – er wird zum Stalker, und Joe ist sein Opfer. Es ist ein Thriller, der unter die Haut geht, und Craig ist kaum wiederzuerkennen. Im Folgejahr wird er von Steven Spielberg gecastet: In München (2005) spielt er einen toughen Geheimagenten, der gemeinsam mit einem Expertenteam gegen die Drahtzieher der Attentate auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972 vorgeht – mit moralisch abgründigen Folgen.

Zynischer und abgebrühter
Für Craig ist die Rolle eine gute Übung, ja sogar eine Generalprobe. Denn am 14. Oktober 2005 geht eine Pressemeldung um die Welt, die selbst in den entferntesten Winkeln der Erde für Überraschung sorgt: Die James- Bond-Produzenten haben Craig zum Nachfolger von Pierce Brosnan gekürt. Anfangs ist so mancher Fan ungnädig, viele können sich Craig in der Rolle einfach nicht vorstellen. Zu unbekannt. Zu kantig. Zu blond. Dabei war Craig schon immer ein Bond-Fan. Als Kind hat er Roger Moore in Leben und sterben lassen (1973) gesehen, einer der wenigen Momente familiärer Harmonie in seiner Kindheit – sein Vater, der die Familie einst verließ, hat ihn mit ins Kino genommen und der junge Daniel Craig hat das Erlebnis nie vergessen. Mit großer Ernsthaftigkeit bereitet er sich auf seinen ersten Bond-Film vor: Casino Royal (2006). Craig trainiert so hart wie noch nie in seinem Leben, denn der neue James Bond soll in Bestform sein. Zudem will er der Figur mehr „emotionale Tiefe“ verpassen, und das ist ihm auch gelungen. Der Film ist bei Kritikern und Publikum ein Hit, fast 600 Millionen Dollar spielt er ein. Craigs Bond ist in der Tat emotional komplexer, im Kontrast zu seinem guten Aussehen spielt er den legendären Geheimagenten als eiskalten, aber innerlich verletzbaren Psychopathen. Es ist eine düstere und sehr treffende Interpretation des Charakters – für Kenner der Buchvorlagen von Ian Fleming ein (neben Sean Connerys Bond) der Romanfigur am nächsten kommender 007. Zwei Jahre später kommt Ein Quantum Trost in die Kinos, eine direkte Fortsetzung, in der Bond noch zynischer und abgebrühter daherkommt. Vielleicht geht dieser Film einen Schritt zu weit, denn bei den Fans bleibt er hinter den Erwartungen zurück.

Mit vollem Einsatz dabei
Doch im Dezember 2012 folgt Sam Mendes’ SkyfallSkyfall, und mit ihm der bislang erfolgreichste Bond aller Zeiten – und auch einer der besten. Selten war die Mischung aus Action, Weltreisen und charakterlicher Tiefe so gelungen wie hier. Craig spielt die Figur als einen Antihelden. Er ist – wie die Romanfigur – nicht zwingend ein „guter“ Mensch, er arbeitet lediglich für die „richtige“ Seite. Bei den Bond-Filmen ist Craig mit vollem Einsatz dabei, bei den Dreharbeiten zu Ein Quantum Trost verliert er eine Fingerkuppe. Aber womöglich kann man den Verlust eher verschmerzen, wenn man mutmaßliche 60 Millionen Dollar mit der Reihe verdient. Sein Vertrag erstreckt sich noch bis Bond 25, das ist der übernächste Film, der in die Kinos kommt. Aber auch abseits von James Bond macht Daniel Craig immer wieder von sich hören. 2008 tritt er in dem gelungenen Weltkriegsthriller Defiance von Regisseur Ed Zwick (Blood Diamond) auf. Er spielt einen Haudegen von einem jüdischen Partisanenkämpfer, der im Zweiten Weltkrieg in Weißrussland eine kleine Gruppe von Outlaws gegen die NS-Besatzer in einen harten Guerillakrieg führt, bei dem alle moralischen Schranken fallen. Eben diese Verwischung aller psychologischen Grenzen scheint die Stärke dieses Daniel Craig zu sein. Es folgt mit Cowboys & Aliens (2011) eine Paraderolle für Craig als lässiger Pistolero, der an der Seite eines griesgrämigen Harrison Ford agieren darf.

Weiterhin im Zenit
Im August 2010 wird Craig dann in einer weiteren weltbekannten Rolle gecastet: als der Journalist Mikael Blomkvist in David Finchers Remake des schwedischen Thrillers Verblendung, nach dem bekannten Roman von Stieg Larsson. Viele Fans des Romans und des schwedischen Originals fragten sich jedoch, warum eine weitere Verfilmung notwendig ist, und die Einspielergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück. Dennoch, der nächste Teil ist bereits angekündigt. 2011 lernte Craig bei den Dreharbeiten zu dem Psychothriller Dream House (2011) von Regisseur Jim Sheridan (Mein linker Fuß) Rachel Weisz kennen, die Heirat folgte am 22. Juni 2011. Craigs Stern steht weiterhin im Zenit, als Nächstes können wir uns auf SpectreSpectre freuen, den nächsten Teil der schier endlosen Bond-Saga. Auch hier sehen die ersten Ausschnitte enorm vielversprechend aus. Mit Daniel Craig hat James Bond einen seiner besten Darsteller, und wir hoffen sehr, dass es auf absehbare Zeit noch weitergehen wird. /

[Source: Widescreen, November 2015, #155. www.widescreen-online.de. Copyright © 2015 MARQUARD MEDIA INTERNATIONAL AG. All rights reserved.]

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